Basissolidarisch

Doris-35I geh grad aus da Uni aussi, vastöt ma a Puppi im göbn Leiberl mitm Klemmbrettl in da Haund den Weg, stroit mi au, wia waun a ma glei mitteün tat, dass i beim Gemini-Krokettn-Preisausschreibn den Hauptpreis gwunna hau und grinst üwahaupt so herzlich, wia waun ma schau im Kindagoatn miteinaund Dokta gspüt hättn. „Ja halloooooo!“ sågt a mit an Kilo Heni auf de Stimmbandln.
Damit då koane Irrtüma aufkemman: i kenn den Typn net. Auf sein göbn Leiwal steht „Greenpeace“, und aufm Klemmbrettl håt a a Formular füa an Spendndauaauftråg.
Frågt a mi: “Was würdest du sagen, wenn ich dir jetzt die Möglichkeit gebe, einem Wal-Baby das Leben zu retten?“
Oh-oh, den Schmäh kenn i nu net! Jetz hoaßts kreativ sei. „Najå, a Meeawåssa-Aquarium paßt gaunz sicha net in mei Sechzg-Quadratmeta-Wohnung. Sorry, owa i wissat net, wås i mit an Woifischbewi aufaunga soit!“

Die Welt der Doris Nußbaumer offenbart sich vielschichtig: Sie schreibt und unterrichtet Schreiben. Sie schreibt Prosa (ausgezeichnet 1997 übrigens mit dem Lise-Meitner-Literaturpreis), Lyrik und, wie wir soeben schnuppern durften, in Mundart. Warum sollte Doris daher keinen Platz für ein Walfischbaby in ihrer Wohnung finden? Denn mit dem Schreiben ist es bei der Kulturarbeiterin, als die sie sich selbst bezeichnet, alleine nicht getan: Im Zusammenhang mit dem Werkl im Goethehof war sie auch Mitbegründerin des gleichnamigen Vereins der Kulturinitiative deren Vorsitzende sie ist. „Wir verstehen das Werkl im Goethehof als rassismusfreie Zone, frei von Konsumzwang, getragen durch eine basissolidarische Zusammenarbeit mit einer feministischen Grundhaltung,“ bringt Doris die Grundsätze auf den Punkt. Demnach wurde der Veranstaltungsort in Kaisermühlen bald zu einem Treffpunkt für Aktivitäten für ein Publikum, dem auch Zugang zur Kunst ermöglicht werden soll das über wenige finanzielle Ressourcen verfügt.
Schon davor begründete sie auch das BÖS mit, den Berufsverband österreichischer SchreibpädagogInnen, einen Verein, der sich ebenfalls in seiner Gemeinnützigkeit überparteilich und konfessionsfrei versteht.

hochzeit_7d_183So folgt sie auch in ihrem Leben mit Lebenspartner Wolfgang Pechlaner diesen Grundsätzen und konvertierte mit ihm zum Glaubensbekenntnis der Pastafari. Wir erinnern uns: Die Religionsgemeinschaft machte vor einiger Zeit von sich reden, indem sich Protagonisten in der Öffentlichkeit durch das Tragen eines Nudelsiebs als Kopf präsentierten. Als „Vereinigte Kirche des Fliegenden Spaghetti Monsters“ (FSM) verstehen sie die Anhänger des Pastafari-Ritus als wissenschaftliche Religion. Daher zählen Logik und Empirie zu ihren grundsätzlichen Tugenden. Die Glaubensrichtung versteht sich demnach als „friedfertig, furchtlos, barmherzig, großzügig und leider geil“. Doris und Wolfgang waren übrigens das zweite Paar, das nach diesem Ritus in Österreich getraut wurde (natürlich im Werkl im Goethehof). Die Zeremonie leitete der Master of Celery Nico Alm. (wfr)

Doris Nußbaumer liest aus ihrem Kurzgeschichtenband Programm Pandora am 26. April um 15:00 Uhr im Rahmen von Q202 bei hanami: 1020 Wien, Karmelitergasse 6.

Hier geht’s zur Homepage von Doris Nußbaumer.
Hier geht’s zur TV-Dokumentation der Trauungszeremonie, produziert von okto tv.

 

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