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Archiv für den Monat April 2015

Nach fast einem ganzen Menschenleben zwischen den Auen der Donau und den Ebenen des Marchfeldes, also den Gefilden Transdanubiens, zog es vor sechs Jahren Gabriela Waberer und Fritz Herzog, letzterem nach einem kurzen Zwischenspiel in der City of Vienna, zur dann gemeinsamen Bleibe in die Leopoldstadt. Konkret auf eine Insel innerhalb der Insel, nämlich ins Karmeliterviertel.

MINOLTA DIGITAL CAMERAOb es die frische Luft der Dachwohnung der beiden, das gesunde Obst und Gemüse des Karmelitermarktes oder gar die Weine der einschlägig bekannten Lokale der Umgebung waren, die das Paar künstlerisch beflügelten, ist nicht bekannt. Sicher ist, dass ihre schon zuvor vorhandene künstlerische Ader in diesem Grätzel einen weiteren Aufschwung nehmen sollte.

Gabriela Waberer schwingt den Pinsel und bringt Farbe auf ihre Leinwände, die bereits so manches leopoldstädter und auch anderortiges Wohnzimmer schmücken. Ihre seit 2009 regelmäßige Teilnahme am Atelierrundgang Q202 und anderer Ausstellungen vermehrten ihre Bekanntheit weit über die engen Grenzen des Viertels hinaus, ja, jüngst soll ihr Ruf sogar bereits bis Italien geeilt sein.

Der Bleistift ist zwar nicht das Werkzeug Fritz Herzogs – doch da „Notebook“ in diesem Zusammenhang zu nüchtern klingt, soll hier die Metapher des Bleistifts Verwendung finden – und mit diesem verfasst er Kurzgeschichten und Gedichte, die er gerne auch vor Publikum zum Besten gibt.

P1000516Der jüngste Coup der Beiden führte sie nach Falkenstein im Weinviertel. Die Gründe für den Aufbau dieses zweiten Wohnsitzes können wohl in dem für diese Gegend weithin bekannten Grünen Veltliner vermutet werden. Ein kleines Bauernhaus inmitten des Ortes, liebevoll mit altem Glumpert hergerichtet und einer Scheune, die noch so manchen künstlerischen Events harrt, wurde und wird zu einer weiteren Quelle der Inspiration des Paares. Es scheint also gesichert, dass weiterhin der Pinsel nie trocknet und der Bleistift stets gespitzt bleibt. (fh)

Zur Homepage von Gabriela Waberer
Zur Homepage von Fritz Herzog

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Bildschirmfoto 2015-04-07 um 15.17.18Geradezu darwinistisch präsentieren sich Christian Feichtinger alias Jean Génie und Wolfgang Katzer, alias Bamschabl (Bamschabél in dieser Duo-Konstellation) beim Frühstückskaffee in der Einfahrt, Insel im Tsunami hochbrausender und hereinbrechender Träume. Denn heute spechen wir über Hanami, den frischen Wind ihrer Performance am 25. April.

Wir erinnern uns: Ob Urknall mit seinen Fortsetzungen, Schöpfung, und das ganze Schlamassel ward quasi auf dem goldenen Tablett serviert – einerlei, das Voranschreiten der Weltgeschichte eint, gleich zu welcher Fraktion man sich eher hinzugezogen fühlt, doch ein roter Faden, der die Entwicklung der Arten und Unarten seit Jahrmillionen begleitet.

CoverSCHWEINweb KopieDaher nennen Feichtinger und Katzer ihr Programm am 25. April auch „Roter Faden, oder: Die Ojevolution – Entwicklung der Unarten“, dessen Welturaufführung wir ebendann und –dort miterleben dürfen. Vorbereitet haben die beiden diese grandiosen Betrachtungen von Welt und Geschichte bereits vor geraumer Zeit, als sie begannen, sich mit der Unartenvielfalt (tot)ernsthaft auseinanderzusetzen. Diese fand auch einen ersten Niederschlag in der Veröffentlichung ihres mittlerweile aus der Unartenvielfaltforschung nicht mehr wegzudenkenden wissenschaftlichen Werkes, nämlich „Die unendliche Leichtigkeit des Schweins“, ein Lexikon mit Texten von Wolfgang Katzer und bis dahin noch nie dagewesenen Illustrationen von Christian Feichtinger.

Im Rahmen von Hanami wird nun der performative Aspekt des Projektes erstmals Welt und Wissenschaft präsentiert. In monate- und vor allem inspirierten nächtelangen Klausuren gelang es dem Team schließlich, höchst komplexe Zusammenhänge der Unartenforschung auf den verbindenden Nenner und der Welt DIE eine Antwort zu bringen …

„Roter Faden, oder: Die Ojevolution – Entwicklung der Unarten“
eine Lese- und Live Drawing Performance mit Christian Feichtinger und Wolfgang Katzer
Samstag, 25. April, ab 18:00 Uhr
Hanami, 1020 Wien, Karmelitergasse 6
Eintritt frei, aber eigentlich unbezahlbar.

Fachliterarischer Hinweis: Darwin – New Nightmares (aus: memo – merkwürdige Worte, 2013)

(wfr)

falkenstein2… was aus dem Lateinischen kommt und übersetzt bedeutet, dass jetzt getrunken werden dürfe, versteht sich hanami mit Q202 schlicht auch als ein Fest der Wahrheit: in vino veritas, den Spruch kennen mehr, und hanami begleitet Wein aus einer Region, die über eine Tradition verfügt, die bis zur Römerzeit zurückreicht.

Seit Anfang des 14. Jhdts., seit dem Falkensteiner Berggericht 1309, ist es in den historischen Aufzeichnungen amtlich, und Fritz Herzog (Lesung am 25.4., 15:00 Uhr), der mit Gabriela Waberer (ihre Malereien sind bei uns zu besichtigen) vor einiger Zeit seinen zweiten Wohnsitz in Falkenstein aufgeschlagen hat, hat auch ein Weingut gefunden, das ebenfalls eine lange Geschichte der Winzerkunst erzählen kann.

Heute schupfen Johannes und Maria vom Weingut Stadler gemeinsam mit ihren vier erwachsenen Kindern das Weingut mit angeschlossener Vinothek, Heurigen und sanftem Tourismus, verfügen über eine beachtliche Reichweite, wo man Weine aus dem Haus erwerben kann (unter anderem auch in der spezerei am Karmeliterplatz), sowie interessantem Genre überschreitendem Engagement.

Wir von hanami freuen uns, dass uns das Weingut Stadler auch mit ihren Weinen unterstützt. Fritz hat folgende Kostproben für uns ausgesucht, die auch im Rahmen von Q202 dabei sein werden. Der Winzer spricht und beschreibt:

2014 WEINVIERTEL DAC Rabenstein
Qualitätswein, trocken, 12,5 % Vol.Ein Grüner Veltliner wie aus dem Bilderbuch. Kräuter, grüne Paprika und Pfeffer im Duft; straff, enorm saftig, feine, anhaltende Würze, komplex, gute Länge im Abgang, erfrischend wie ein Gebirgsbach. Passt ausgezeichnet zu Spargel, Wiener Schnitzel, Backhendl und zu Tafelspitz.
2013 ZWEIGELT Rabenstein
Qualitätswein, trocken, 13,0 % Vol.Tiefdunkler Lagenwein; feine Würze im Aroma, ein Hauch Kirsche und Waldbeere; komplex, ausgewogen im Geschmack und präsentiert sich sehr vielschichtig; gutes Lagerpotenzial. Ein guter Partner zu Steaks, gebratener Leber, Beuschel und Blunzn-Gröstl, aber auch zu Wild in allen Variationen.

Verkosten gemeinsam mit uns ist natürlich gewünscht, und wir freuen uns, wenn neben dem Betrachten der Exponate und dem Besuch der Lesungen und Performances noch Zeit für einen herzhaften Schluck bleibt. (wfr)

Zur Homepage vom Weingut Stadler in Falkenstein

Machatschek-Logo_xJoseph Machatschek, ehemals misserfolgsverwöhnter Maurer, mittlerweile auf dem Weg zur Krönung heimischer Liederaten unterwegs, begibt dich erneut auf eine Reise nach Berlin. 

Seine Freude in der Stadt an der Spree aufzutreten und seine Erfahrungen beschreibt er kurz so: „… dass ich mich dort immer sauwohl fühle, ich finde, jede Stadt hat so ihre eigene Wirkung und in Berlin genieße ich, dass es da z.B. mehr Himmel gibt als in Wien. Die Auftritte sind teilweise eine Wiederholung und dann wieder ganz neues Terrain. In Neukölln bin ich zum ersten Mal, in Kreuzberg habe ich schon ein Stammpublikum.“

Ich stimme da gerne zu, indem ich ihn seit über einem Jahr sehr gerne auch auf seinem Erfolgsweg Etappe für Etappe gerne wiederbegegne.

In den letzten Monaten hat FJM einige seine gemachten Lieder auch für Film, Funk, Fernsehen und Hollywood gemacht. Die zu genießen möchten wir euch hier bei hanami und auf youtube herzlich einladen:

Zur Buchhandlung auf youtube

Zu Machatschek auf youtube

Zur Bar Bizarr auf youtube

Zu Freie Liebe auf youtube

Franz Joseph Machatschek gastiert bei uns übrigens am 26. April ab ca. 18:00 Uhr und lässt ein ereignisreiches Wochenende von hanami im Rahmen von Q202 entsprechend ausklingen.

Als ich bereits vor Monaten, lange vor dessen Erscheinen in diesem Frühling, das Privileg genießen durfte, Franz M. Wuketits’ literarisches Erstlingswerk, die Groteske „Mit Pessoa in den Baumarkt“ zu lesen, schloss ich sowohl sein Buch und später (nicht nur im Schwung des Non-stop-Lesens), als ich ihn kennenlernen durfte, auch ihn spontan ins Herz.

978-3-902838-16-2_webSoviel zum Inhalt: W., der schrullige und doch auch etwas zweifelhafte Held der Geschichte – von Beruf Kulturmensch und Journalist – zieht nach einer Erbschaft aus seiner alten Neubauwohnung in eine nun (für ihn) neue Altbauwohnung um, lebt sich dort doch ein und erkennt, dass in seinem neuen Domizil einiges an Reparaturarbeiten ansteht. Seine Entscheidung, diese Aufgaben schließlich selbst in die Hand zu nehmen, fällt er nach nur einigen Tagen des Findungsprozesses, und so ergibt er sich ins Unvermeidliche, nämlich den Weg in den Baumarkt und somit in ein unvermeidliches Desaster …

Franz M. Wuketits ist Wissenschaftler, im Rahmen seiner Berufung auch vielfacher und z.T. preisgekrönter Publizist wissenschaftlicher Werke, darunter mehr als 40 veröffentlichte Bücher. In seiner Gegenwart kann ich stundenlang zuhören, ohne ein Wort zu verstehen, und doch versteht er es, im Rahmen höchst intellektueller Ausführungen, egal, welches Thema wir gerade anschneiden, fundiert, klar und vor allem humorvoll auf den Punkt zu kommen, den Nagel sozusagen auf den Kopf zu treffen. Kein zerstreuter Professor steht uns, und auch das durfte ich unlängst erleben, gegenüber, sondern ein packender Geschichtenerzähler und begeisternder Vortragender seiner Literatur.

Franz gibt uns im Rahmen der hanami-Präsenz und Q202 am Samstag, 25. April um 17:00 Uhr die Ehre, an dem er aus seiner Groteske lesen und erzählen wird. (wfr)

profilbild hanamiIm engeren Wortsinn bedeutet der japanische Ausdruck „hanami“ ja „Blüten betrachten“. Als wir vor einiger Zeit beschlossen, uns für den alljährlichen Atelierrundgang Q202, der heuer vom 24. Bis 26. April im 2. Und 20. Wiener Gemeindebezirk stattfindet, zu einer Gruppe zusammenzuschließen, war dieser Name bald gefunden, sollte er nicht nur die Blütenpracht im Frühling symbolisieren, sondern auch unsere Aufbruchsstimmung und unseren frischen Geist, miteinander Bildende Kunst und Literatur in einem ebenso frischen Rahmen zu präsentieren.

Die meisten der mitwirkenden Künstlerinnen und Künstler wohnen sogar hier im 2. Bezirk, genauer, im so genannten Karmeliterviertel, und so war es natürlich unser Anliegen, hier für unseren Zweck auch einen attraktiven Ort zu finden. Wer das Grätzl kennt, der kennt auch mit Andi Götz den kulturbeflissenen und – unterstützenden Spediteur und Inhaber seines Unternehmens airOcean, der uns spontan für die Dauer des Atelierrundganges sein Stadtbüro in der Karmelitergasse 6 zur Verfügung gestellt hat.

Nun stehe ich in diesem Büro, und vor meinem Auge erkenne ich bereits die Exponate der mitwirkenden Künstler: Miriam Brezina ist Textildesignerin, hat als die jüngste unter uns bereits einige internationale Präsentationen absolviert und wird im kommenden Sommer ihre öffentliche Werkstätte eröffnen. Alexander Amon wohnt quasi über unserem temporären Ausstellungsraum, fotografiert leidenschaftlich beinahe sein ganzes Leben. Erst vor kurzem begann er, mit seinen Werken auch an die Öffentlichkeit zu gehen, daher freuen wir alle uns besonders, dass wir zu einem Team zusammengefunden haben. Gabriela Waberer fand ihren Weg in die Malerei erst autodidaktisch, bis sie als mittlerweile als gefragte Künstlerin mit Sammlercommunity reüssiert. Ella Gluk ist ebenfalls eine Grätzlnachbarin. Als Weitgereiste mit künstlerischer Vergangenheit stieß sie mit ihren autobiografisch inspirierten Werken zur Gruppe. Christian Feichtinger, der Inszenator, hat eine ebenso lange wie breite, besser: breit gefächerte Vergangenheit hinter sich: als Maler, Bühnenbildner weit über Österreich hinaus, Karikaturist und Cartoonist. Seine Arbeiten wurden preisgekrönt – besonders freut er sich heute noch über seinen Staatspreis – finden sich als lustige, spitze Illustrationen in witzigen Büchern wieder, sowie u.a. im Karikaturmuseum Krems. In Swarovskis Kristallwelten ist er mit der „Passage der Metamorphosen“ präsent.

Neben der sehenswerten Ausstellung konnten wir, nicht zuletzt auch mit unserem literarischen Partner, dem Verleger Andreas Schinko und dessen Verlag PROverbis, einen Mitstreiter finden, der es ermöglichte, Autorinnen und einen Autor für Lesungen zu finden: Elisabeth Schönherr wird aus ihrem Debutroman „Tod im Teehaus“ vortragen, der vielschreibende Wissenschaftler Franz M. Wuketits aus seinem belletristischen Erstlingswerk „Mit Pessoa in den Baumarkt“ und – ebenfalls Grätzlnachbarin – Doris Nußbaumer aus ihrem Kurzgeschichtenband „Programm Pandora“. Fritz Herzog, ebenfalls hier ansässig, trägt aus seinem Buch „Von Apern auf die Kreta“ vor.

Die Tage im April würzen wir aber auch mit zwei sehenswerten Performances: Christian Feichtinger hat gemeinsam mit Wolfgang Katzer, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Bamschabl (neuerdings Bamschabél), einen Dialog aus Lesung und Live-Drawing vorbereitet. Das Wochenende wird mit Franz Joseph Machatschek ausklingen, einen vielversprechenden Singer Songwriter mit äußerst geschliffener Feder und Zunge, mit anderen Worten, einem echten Liederaten. (wfr)